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Die Diakoniestiftung Schwäbisch Hall hat die 100.000 Euro-Marke geknackt.

Die Diakoniestiftung Schwäbisch Hall hat die 100.000 Euro-Marke geknackt. Das wurde gefeiert, und zwar mit Wirtschaftsminister a.D. Dr. Walter Döring und Oberkirchenrat Dieter Kaufmann, dem Vorstandsvorsitzenden des Diakonischen Werks Württemberg.

Schwäbisch Hall. Sechsstellig in drei Jahren - keine schlechte Leistung! Da können die Stifter der Diakoniestiftung Schwäbisch Hall stolz sein. Sie feierten diesen Meilenstein Ende Oktober gebührend.
Die Stiftung soll künftig Menschen in Not helfen, sagte der Vorsitzende des Haller Diakonieverbandes Dr. Winfried Dalferth. Doch dass diese Hilfe nicht im luftleeren Raum steht, machte beim Stiftungsfest eine Podiumsdiskussion deutlich, bei der es um das Thema „Sozialpolitik zwischen Charity, staatlicher Aufgabe und Armenfürsorge“ ging. Denn ein Problem laute wie folgt, hatte der Geschäftsführer des Haller Diakonieverbandes Wolfgang Engel im Vorfeld erklärt: "Sollen die Kirchen dem Staat Aufgaben abnehmen? Kann es sein, dass sich der Staat aus der Fürsorge zurückzieht?“
Dies war der Blickwinkel, unter dem OKR Dieter Kaufmann und Dr. Walter Döring aufeinandertrafen. Mit anderen Worten: Ein Liberaler, der auf die Selbstregulierung der Märkte setzt, diskutierte mit einem, der sich der Wohlfahrt verpflichtet sieht.

Kein Wunder, dass die Ansichten schon beim Thema Agenda 2010 auseinanderklafften: Für Döring ist sie ein Erfolgsmodell, das viele Menschen in Arbeit gebracht habe. „Und Arbeit zu haben ist ein Zeichen der Würde des Menschen“. Kaufmann wendete hingegen ein, dass sich die Situation der Langzeitarbeitslosen kaum verändert habe: „Wir von der Diakonie würden uns einen aktiven Beitrag zu Arbeitsplätzen wünschen.“ Das sei sinnvoller als ein passiver Zuschuss zum Lebensunterhalt.
Beim Thema Mindestlohn lagen die beiden Herren nicht weit auseinander. Denn Döring musste zugeben, dass die Debatte im Vorfeld "bescheuert" war und mit der Wirklichkeit in den Betrieben nichts zu tun gehabt habe. „Aber ich habe eine Sorge: Wer Leuten heute Löhne vorschreibt, schreibt morgen Preise vor.“ Allerdings befürwortet Döring Subventionen – für Flüchtlinge: „Wenn man Asylbewerber in Arbeit bringen will, brauchen sie eine Zeit, bis sie unser Niveau haben. Staatlich subventionierte Löhne sind hier eine dringende Notwendigkeit.“
Auch sonst herrschte beim Thema Flüchtlinge Einigkeit: Eine europaweite Lösung müsse her, forderten beide. Döring: „Mir wäre es im Sinne einer Bürgergesellschaft am liebsten, wenn jede Familie für einen Flüchtling eine Patenfunktion übernimmt.“
„Fremde beherbergen“ – das sei freilich eines der sieben Werke der Barmherzigkeit (Mat 25). Dieter Kaufmann hatte sie zuvor in seinem Festvortrag dargestellt. Allerdings bedürfe es des genauen Hinsehens, des diakonischen Sehens, um Not zu erkennen, „denn die im Dunkeln sieht man nicht“, sagte Kaufmann. Benachteiligte, „marginalisierte“ Menschen gebe es auch in reichen Gesellschaften. Umso wichtiger, dass es Stiftungen wie die Diakoniestiftung Schwäbisch Hall gebe, die hier Linderung zum Ziel haben.
Ute Bartels, ein Bericht zum Stifterfest der Stiftung Diakonie am 16.10.2015 im Brenzhaus